Was es ist

 Ich male mir ein Bild. Nein, kein Bild, eine Höhle. Wesen aus Kreide und Asche, mit langestreckten Gliedern bekleiden die Wände im Schein von Feuer und Dunst von Rauch. Wiesente, Bären, Rehe, schnelle Jäger mit langen Stöcken jagen einen Hasen. Gruppen hocken zusammen oder tanzen, da noch ein Schmetterling, Wiesen und Wälder.
 In der Höhle schlafe ich ein, sehr tief, sehr weit zurück, denke ich. Mein Herz schlägt den gleichen regelmäßigen Rythmus wie vor 80.000 Jahren. Der Atem strömt mit kühler Temperatur ein und gewärmt wieder aus.
 Wieviele Ahnen sind vor mir durchgekommen, wieviele haben für mich ihr Leben gelassen.
 Auch unsere Vorfahren haben Vorfahren. Die ersten Säuger waren kleine Nager. Deren Vorfahren waren Amphibien. Fische waren zuvor im Meer. Einzeller verdoppelten sich einfach oder trafen sich eben. Das Alles steht in Büchern, es steht auch in jedem Menschen. Im Schlaf tauche ich in diese existiernde Welt.
 Die Ströme im Körper malen wie und je Höhlenbilder. Mein Lebensgeist achtet auf die Temperatur und die Rythmen innerhalb und außerhalb jeder Zelle, das macht er sehr gut. Nichts scheint ihm Fremd, Wünsche und Gefahren, Sehnsüchte und Erfüllungen, sind in seinen Gedanken wie Wasser im Meer.
 Am morgen braucht es kein Augenzwinkern bis er 3.000.000.000 Jahre zurückreist in den Moment, oder ist es noch weiter.
 Moleküle, Atome, subatomare Teilchen, Eigenschaften, Größen, Mengen, Wechselwirkungen, Ereignisse, Bestände, Ursprünge, der Urknall oder war es ein Hauch. Meine Güte, ich schlafe so tief, dass es keine Frage mehr ist, dass dieses Leben bestimmt kommen muß.
 So wache ich auf und so beginnen alle Sinne danach zu suchen. Bis sie nachts, im Traum, erneut ein Bild davon bekommen, was es ist.

 
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